Israel

Samstag 27.04.1996

Endlich ist es soweit! Unser Traum von der Reise ins heilige Land geht in Erfüllung. Die Sonne lacht, und wir fahren pünktlich um 9 Uhr in Frintrop los. Franz Josef, der Chef unser Truppe, spricht unser Reisegebet, die Stimmung im Bus ist gut, doch leider ist meine Nase völlig zu und ich muß sie dauernd putzen.
Wir müssen 3 Stunden vor dem Abflug am Flughafen Köln-Bonn sein und so ist die Warterei endlos. Überall sehen wir Polizei und mit Maschinenpistolen bewaffnete Grenzschutzbeamte. Jeder Koffer wird von Israelischen Sicherheitsbeamten gründlich, aber höflich kontrolliert. Wir fliegen mit einer Boing 757 der Fluggesellschaft ARKIA. Der Flug ist ruhig, doch leider kann man nicht viel sehen. Es wird langweilig, und so sind wir froh endlich Tel Aviv zu sehen. Das Flugzeug fliegt schon ziemlich niedrig und so haben wir einen großartigen Ausblick auf die moderne Metropole.
Um 18.20 Uhr landen wir in Lod. Ein moderner Reisebus mit Klimaanlage holt uns ab und bringt uns nach Netanya ins Residence Hotel. Nach dem Abendessen tausche ich die ersten DM in Schekel um und wir machen noch eine Runde an den Strand. Vom Hotel aus geht es direkt hinunter ans Wasser. Der Strand hat ganz feinen Sand und sieht sehr gepflegt aus. Einige von uns ziehen gleich die Schuhe und Strümpfe aus und testen das Mittelmeer. Hier könnte man sicher ganz gut einen Badeurlaub machen. Oben im Ort herrscht reges Leben. Es ist warm und die jungen Leute tanzen auf dem Platz. Wir kaufen noch eine große Flasche Wasser für 7 Schekel und versuchen dann zu schlafen. Unser Zimmer ist im achten Stock doch der Straßenlärm dringt ungehindert zu uns hinauf. Ich bekomme schlecht Luft durch die Nase und stehe immer wieder auf. Auf irgendeinem Fern-sehprogramm sehen wir einen deutschen Unterhaltungssender. Irgendwann schlafe ich ein paar halbe Stunden.

Sonntag 28.04.1996

Nach einer unruhigen Nacht und einem seltsamen Frühstück mit etlichen undefinierbaren Speisen, weichen Brötchen und Fisch fahren wir nach Cäserea am Meer. Yariv Lapid unser gutunterrichteter israelische Führer erklärt uns alles. Die von Herodes gebaute Stadt mit Theater und Pferderennbahn war ganz im rö-mischen Stil gebaut und wird jetzt von Archäologen wieder ausgebuddelt. Pontius Pilatus bewohnte hier die Residenz des Gouverneurs. Hier war der Apostel Paulus 2 Jahre in Gefangenschaft, von hier segelte er nach Rom. Aber auch Byzanz, die Moslems und die Kreuzfahrer haben hier ihre Spuren hinterlassen und erzählen von alten Zeiten.
Dann fahren wir auf den Berg Karmel wo Elia geopfert hat. Yariv unser Reiseführer liest aus dem alten Testament die Geschichte von Elia und den Baalpriestern. Wir feiern an historischer Stelle unsere Sonntagsmesse und schauen dabei über die Israelebene und das galiläische Bergland.
Zum Mittagessen gehen wir in ein kleines Selbstbedienungsrestaurant wo wir Falafel-Pitta mit Salat essen. Die aus Kichererbsen hergestellten Bällchen schme-cken ganz vorzüglich.
Dann geht es weiter nach Akko. Hier haben die Kreuzfahrer gewaltige Festungen gebaut die heute noch beeindrucken. Auf einem Platz in einer ehemaligen Karawanserei sehen wir den ersten Orangensaftverkäufer der kaum mit dem Pressen der Früchte nachkommt, so einen Durst haben wir inzwischen. Dann, als sich die Gruppe in Bewegung setzt, hören wir einen Handwerker hämmern, der erst auf ein Signal hin mit der Arbeit beginnt. Jeder Laden versucht auf sich aufmerksam zu machen. Monika bekommt ihr Jerusalemkreuz und macht es sich gleich an Ihre Halskette.
Die Fahrt geht weiter über sehr gut ausgebaute Straßen durch das Bergland von Galiläa. Ich sehe ein Straßenschild nach Nazareth. Es ist schon ein komisches Gefühl wirklich im Heiligen Land zu sein. Am Straßenrand sehen wir Soldaten die per Anhalter von ihrem Einsatz an der Grenze im Norden zurückkehren. Dann sehen wir im Dunst den See Genezareth. Der See liegt ca. 200 Meter unter dem Meeresspiegel ist etwa 21 Km lang und 11 Km. breit.
Als wir über den Jordan kommen wundern sich viele über den schmalen Bach der sich träge in den See ergießt, aber es ist wirklich der einzige Fluß in ganz Israel.
Wir wohnen Im Kibbuz "En Gev". Unter Palmen liegen lauter einzelne Ferienhäuschen. Monika und ich haben die Nummer 137. Das Haus ist für 5 Personen ausgelegt und verfügt über eine eigene Klimaanlage, Telefon und ist mit Fliegengittern und selbstverständlich Verdunkelungs vorhängen ausgestattet. Zum Abendessen (natürlich koscher) trinken wir Wein von den Golanhöhen, die wir unmittelbar hinter uns haben. Im Minimarkt besorge ich noch 2 Dosen Bier, die ich während des abendlichen gemeinsamen Singens noch trinke. Es ist sehr warm. Die Klimaanlage kühlt nicht besonders gut, aber die Lüftung funktioniert, sodass ich endlich einmal schlafe.

Montag 29.04.1996

Heute fahren wir zum Nordufer des See Genezareth. Auf einem Hügel besuchen wir die, in einem schönen Park liegende, Kirche der Seligpreisungen von der man einen schönen Ausblick über den See hat. Zu Fuß laufen wir durch die Wiesen, die auch schon Jesus durchschritten hat und kommen zum Ort, wo der Tradition nach eine der Brotvermehrungen stattgefunden haben soll. In der Kirche sehen wir ein uraltes Mosaik mit fünf Broten und zwei Fischen aber auch ein Bild eines Nilhochwasseranzeigers was wohl als Fruchtbarkeitssymbol zu deuten ist. Weiter geht es nach Kafarnaum ( Kapernaum ).Neben den Resten einer Synagoge aus den dritten Jahrhundert sehen wir die Ausgrabungen aus der Zeit Christi. Das Haus der Schwiegermutter des Petrus, in dem Jesus wahrscheinlich aus und ein-gegangen ist, ist mit einer modernen Kirche die Petrus gewidmet ist, wie mit einer Kuppel überdeckt. Auch glauben einige Archäologen das Haus des Hauptmann von Kafarnaum entdeckt zu haben.
Zum Mittag fahren wir in den Jordanpark, einem Naturreservat, um dort unser Lunchpaket, (das sich als komplettes Menü herausstellt ) zu uns zu nehmen. Der lichte Wald schafft eine angenehme, entspannte Atmosphäre sodass wir uns auch hier im Norden, nahe an der unruhigen Grenze zum Libanon sicher fühlen.
Weiter geht es nach Nazareth im galiläischem Hochland. Wie so oft sind sich die verschiedenen christlichen Kirchen uneins über den Ort eines in der heiligen Schrift erwähnten Ereignisses und so besuchen wir zunächst die von den griechischorthodoxen Christen erbaute Kirche.
In der Verkündigunskirche sehen wir den Brunnen, an dem nach orthodoxer Überzeugung Maria den Engel traf, dann die lateinische Version. Das Evangelium wird vorgelesen, dann beten wir den "Engel des Herrn". Es bleiben nur Minuten in denen ich versuche mir klar zuwerden, in welcher Umgebung, in welcher Landschaft, Jesus, mit seinen Eltern, Freunden und Verwandten aufgewachsen ist. Dann müssen wir zum Bus der uns nach Tiberias bringt. Dort ist von dem Reise-unternehmen, dem wir uns anvertraut haben, ein Schiff geordert worden, dass uns über den See Genezareth nach En Gev zurückbringen soll. Mitten auf dem See werden die Motoren abgestellt, es wird still, und Franz Josef liest aus der heiligen Schrift.
Das Schiff schaukelt und dreht sich sanft doch man braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen wie das bei einem heftigen Sturm aussieht. An der Anlegestelle werden wir diskret von bewaffneten Kibbuzim kontrolliert. Unser Bus holt uns ab und wir fahren in unsere Ferienanlage wo wir uns rasch umziehen und frisch machen. Dann fahren wir um das südliche Ende des See Genezareth herum, über den Ausfluß des Jordan, auf die andere Seite nach Tibe-rias um dort zu Abend zu essen.
Nach etlichen Vorspeisen und einigen 0.33 l. Fläschchen heimischen Bieres kommt unser Hauptgericht. Monika ißt Geflügelspieß wie die meisten doch ich habe mir Petersfisch bestellt. Der Fisch ist sehr delikat, jedoch der größte Teil be-steht aus Kopf und Gräten. Als die Rechnung kommt, sind wir nicht überrascht, schließlich waren wir vorgewarnt!
Wir können noch nicht sofort abfahren da noch nicht alle den Bus gefunden ha-ben. Endlich fallen wir gegen 11.30 Uhr ins Bett.

Dienstag 30.04 1996

Das Telefon weckt uns pünktlich um 6.00 Uhr doch wir sind längst aufgestanden. Heute geht es als erste zum Berg Tabor. Eine steile, kurvenreiche Schotterstraße führt hinauf. Unser Bus parkt unten und wir steigen nach und nach in 7 sitzige Mercedes-Taxen ein die sofort nach oben jagen.
Oben sind schon jede Menge andere Touristen ( Pilger ? ). Es ist nicht einfach, einen stillen Platz zu bekommen, wo wir Yariv lauschen können. Auf der Bergkuppe eine Kirche, nicht weit davon eine Moscheee, Ruinen älterer Bauwerke und dazwischen eine Pflanzen und Blütenpracht, die zu einem längeren Verweilen einlud. Doch wir müssen bald weiter.
Durch die fruchtbare Israelebene fahren wir auf den Jordan zu und dann in die Westbank ein. Wir fahren durch ziemlich ödes Land, teilweise nahe am Jordan, der Grenze entlang. Kurz hinter dem wackeligen Zaun beginnt das verminte Niemandsland, dahinter die ebenso unbewohnten Berge Jordaniens. Hart am Zaun sieht man frische Panzerspuren aber alles ist wie ausgestorben.
Es wird immer heißer je tiefer wir kommen. Endlich kommen wir nach Jericho der ältesten Stadt der Welt. Wir befinden uns jetzt ca. 360 m. unter dem Meeresspiegel. Richtig tropisch ist es hier. Vom antiken Jericho ist nicht viel zu sehen doch unser Reiseführer gibt sich Mühe alles zu erklären. Für die meisten von uns ist die Suche nach Schatten wichtiger geworden.
Dann sehen wir unser erstes Kamel.Das arme Tier liegt auf einem großen Parkplatz wo alle Busse parken und wo alle Leute vorbei kommen. Der schwarze Kameltreiber läßt die Touristen für 1 Dollar auf dem Tier sitzen und für 2 Dollar erhebt sich das Kamel fürs Gruppenfoto.
In der Vorhalle eines klimatisierten Restaurants trinken wir einen Kaffe. Als ich dann in einem Obstladen heimische Bananen und Datteln kaufe, spricht mich ein junger, schwuler Araber an und versucht mich anzumachen. der grinsende Obsthändler packt immer mehr in meine Tüte Am Ende habe ich für 30 Schekel Bananen und Datteln und bin froh wieder aus dem Laden zu sein. Die reifen Bananen essen wir sofort, die Datteln reichen noch bis zu Hause.
Über eine Nebenstraße fahren wir am Wadi Kelt entlang. die steile Straße ist wirklich haarsträubend. Ein am Grunde der Schlucht liegendes Fahrzeug zeigt, dass es nicht immer gut geht.
Immer weiter geht es in die Wüste von Judäa hinein. Es ist eine beeindruckende Landschaft. Dann sehen wir in der Ferne zum ersten mal Jerusalem.
Wir fahren durch arabische Vororte über steile Straßen auf die Höhen das Ölbergs. Von hier hat man eine phantastische Sicht auf die heilige Stadt. Unter uns liegt der alte jüdische Friedhof, hier soll dereinst die Auferstehung beginnen. Dahinter erhebt sich gewaltig und prächtig die Altstadt der heiligen Stadt.
Unübersehbar ist die goldene Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg. Natürlich tritt jetzt meine Kamera in Aktion weil man nicht sicher sein kann noch einmal so eine Aussicht auf die Altstadt zu haben.
Dann fahren wir in das autonome palestinensische Gebiet wo Betlehem liegt, um dort nahe an die Wurzeln unseres christlichen Glaubens zu kommen.
Erst geht es auf die " Hirtenfelder", dann zur "Geburtskirche". Die Tür der uralten Kirche ist teilweise zugemauert, um in früheren Zeiten Reitern den Zugang zu verwehren. Jetzt ist muß sich jeder, der sich dem Geheimnis der Menschwerdung nähern will kleinmachen
Leider will, ebenso wie in Nazareth, nichts so recht rüberkomnmen. Wir singen "Es ist ein Ros entsprungen" und auch Yarif, unser Guide ist zufrieden da von Jesse und Isaia die Rede ist.
Dann aber ab in den Kunstgewerbeladen! Hier bekommt man alles was das Touristenherz begehrt! Kamele, Kerzen, Schmuck, Teller, Tand, Krippen und Kreuze in Holz oder Plas-tik , Kostbares und Wertloses, Kunst und Kitsch, Postkarten und Anhänger, Auf-kleber und immer wieder Kamele in allen Größen und Ausfertigungen.
Gegenüber sieht es trostloser aus. Ein paar Ziegen knabbern am Unkraut und an Plastiktüten. Hier, im vorwiegend arabischem Teil Israels, das ja bis zum "sechs Tage Krieg" zu Jordanien gehörte sieht es noch sehr entwickelungsbedürftig aus, aber die Palästinenser hoffen, es aus eigener Kraft zu schaffen, eine eigenverantwortliche Alternative aufzubauen. Weiter geht es nun zum Ambrassador, das unser nächstes Standquartier sein soll. Das Hotel liegt im arabischen Viertel der Stadt und hat seine 4 **** wirklich ver-dient. Um 19 Uhr gibt es ein Abendessen das uns alle zufrieden stellt. Wir sind alle zu müde um noch etwas zu unternehmen und so werden auf der Terrasse noch einige Witze erzählt, doch wir gehen auf unser Zimmer 417, stellen die Klimaanlage ein, und versuchen zu schlafen.

Mittwoch 1.Mai 1996

Unser erster Tag in Jerusalem führt uns zunächst auf den Ölberg an die gleiche Stelle, wo wir zum ersten mal auf die Stadt geblickt hatten. Wir gehen am alten jüdischen Friedhof vorbei zum Garten Getsemane. Immer wieder werden wir von Postkarten verkaufenden Straßenhändlern belästigt. gegen ein Trinkgeld werden wir in ein stillen Teil des Ölberges eingelassen und können so Yarif ungestört zuhören. Dann schauen wir uns die "Kirche der Nationen "an und bewundern daneben die uralten Olivenbäume.
Auf dem Weg zur Altstadt schauen wir uns noch die griechisch orthodoxe Version des "Mariengrabes" an, bevor wir endgültig durch das Löwentor (Stefanstor) die heilige Stadt betreten. Kurz vor dem Tor versucht ein Wasserhändler noch seine Ware zu überhöhten Preisen an den Mann zu bringen doch unmittelbar hinter dem Tor ist alles wieder normal.
Nachdem wir uns die Teiche von Bethesta angeschaut haben und uns Yarif seine Version der "Heilung eines Gelähmten" erzählt hat geht es zur "Feste Antonia". Die Via Dolorosa ist voll mit Händlern und Pilgern aus allen Teilen der Welt. Wir müssen durch den Basar und befinden uns schon nahe am Ort der Kreuzigung und der Auferstehung von Jesus als unser Führer noch einen Schlenker (natürlich gegen ein Trinkgeld) durch die russisch orthodoxe Kirche macht. Drinnen ist es angenehm kühl und wir lauschen den Ausführungen unseres jüdischen Fremdenführers zu unserem christlichen Glauben.
Dann geht es in die alte, teilweise aus dem 3.Jahrhundert stammende Kirche, steigen nach Golgota hinauf und stellen uns dann an, um das, von orthodoxen Priestern gut bewachte, leere Grab zu sehen. Die Kirche ist teilweise in einem schlimmen Zustand. Touristen und Pilger gehen nicht gerade leise umher, sodass es nicht einfach ist, selber etwas Ruhe zu finden.
Besonders beeindruckend war ein Pilger, der ohne auf seine Umgebung zu ach-ten, Stirn und Wangen an der Steinplatte rieb, die bei den orthodoxen Christen als der Ort angesehen und verehrt wird, wo der Leichnam Christi gesalbt und in Tücher gewickelt worden ist.
Auf dem Vorplatz der Auferstehungskirche muß man die Vielfalt der christlichen Bekenntnisse, Konfessionen und Gemeinschaften aus aller Welt zur Kenntnis nehmen. Alle Völker und Rassen haben hier an diesem Ort ihre Abordnungen. Wir, die Lateiner, sind die absolute Minderheit.
Dann, beim Mittagessen (es wird wieder Falafel angeboten), haben wir eine kleine Pause.Wir essen und trinken etwas und ruhen uns aus.
Doch bald geht es weiter zum sogenannten Abendsmahlsaal am Ziontor. Hier soll das Obergemach gewesen sein wo sich die Jünger versammelten und hier ent-stand die erste christliche Gemeinde. Gleich daneben die Marienkirche "Maria Dormito" wo des Ortes gedacht wird wo Maria gelebt hat und wo sie auch entschlafen ist.
Anschließend haben wir endlich einmal 1 Stunden zur freien Verfügung. Die Truppe teilt sich und alles rennt auf den Basar. Hier gibt es alles was das Herz begehrt.Vor den einzelnen Geschäften sitzen die ausschließlich männlichen Verkäufer oder Inhaber der Läden und preisen ihre Waren an. In einem Laden erstehen wir für mich eine der typischen Kopfbedeckungen wie sie die meisten Juden tragen. Wir kommen bis zum "Davidsturm" und trinken erst mal eine Tasse Kaffee. Dann müssen wir auch schon zurück zum Bus und zum Hotel denn das Abendessen wartet schon.

Donnerstag 02.Mai 1996

Nach einem ordentlichem Frühstück mit Brötchen, Toast, Rührei, Frühstücksei, Käse, Wurst, Marmelade, Quark u.s.w. aber auch Salaten, Kaltes Gemüse und Tomaten, Oliven und Speisen die nicht genau zu identifizieren waren, bringt uns unser Bus heute um Tempelberg.
Der Tempelvorplatz wird von etlichen Pilgergruppen belagert die nur nach und nach von Sicherheitsbeamten hereingelassen werden. Ein Psalterspieler in der Aufmachung König Davids singt Psalmen und lässt sich gegen einen Obulus, den er gnädig nickend annimmt, fotografieren. Yarif nutzt die Gelegenheit, unsere Kenntnisse über die Geschichte des Tempels aufzufrischen.
Über eine kleine Rampe gelangen wir (wieder an Wachen vorbei) durch ein kleines Tor auf den eigendlichen Tempelberg. Zunächst lassen wir die Al Aqsa Moscheee rechts liegen, und gehen an einem Brunnen für rituelle Fußwaschungen vorbei zum Felsendom, der mit seiner godenen Kuppel wie ein Magnet wirkt. Wir müssen noch eine Treppe hoch und stehen dann auf einem Platz von giganti-schen Ausmaßen. Hier, wo einst der Tempel Salomos und dann der Tempel des Herodes gestanden hat erhebt sich heute ein islamischer Sakralbau über dem Felsen Moria, dem Nabel der Welt.
Der im Jahre 691 errichtete achteckige Bau wird von einer ca. 35 hohen vergoldeten Kuppel überragt und ist das Wahrzeichen Jerusalems.
Bevor wir den Felsendom betreten dürfen, müssen wir wie alle unsere Schuhe ausziehen. Vor dem Eingang werden wir noch einmal kritisch auf passende Kleidung überprüft, und stehen dann staunend im Inneren, des an dritter Stelle stehenden Heiligtum des Islam. Paneele reich verzierter Majolika und Bänder mit Koraninschriften zieren den oberen Teil des Bauwerks. Am Boden befinden sich Marmorplatten in zarten Pastelltönen. Die Persischen Kacheln schimmern, und durch die bunten Glasfenster fällt ein warmes Licht auf den Felsen, wo schon Abraham bereit war seinen Sohn zu opfern.
Vor der Al Aqsa (der entfernten) Moscheeee wiederholen sich das Schuhausziehen und die kritischen Blicke. Im inneren der wie eine Basilika wirkenden Moscheee sehen wir einen Koranschüler mit seinem Lehrer. Beide lassen sich in keiner Weise von den vielen Menschen, die das Bauwerk besichtigen (die wenigsten kommen heute am Donnerstag zum beten), stören.
Im Anschluß unseres kurzen Ausflugs in die Welt des Islam haben wir die Möglichkeit an der Westmauer (Klagemauer) zu beten und unseren Jüdischen Brüdern nahe zu sein. Juden aus aller Welt kommen hierher um zu beten. Für sie ist hier, am Fuße des zerstörten Tempel, der heiligste Ort. Besonders auffällig sind natürlich die Orthodoxen Juden, die auch heute, bei mindestens 36 im Schatten, nicht auf ihre traditionelle schwarze Kleidung verzichten. Sie haben sich Gebetsriemen umgelegt und zum Gebet ein schwarzes Kästchen mit einigen Thoraversen vor die Stirn gebunden. Leider haben wir nur wenig Zeit uns länger umzusehen da noch mehr auf unserem Programm steht.
Unser Bus bringt uns nun zum Israelischem Museum. Unmengen gibt es hier zu sehen. Da auch hier die Zeit begrenzt ist schaue ich mir mit Monika zunächst die Sonderausstellung "Kinder sehen Jerusalem"an.
Dann sehen wir Münzen von Abrahams Zeiten bis heute, einige Räume aus der Ausstellung "Jüdische Geschichte", und natürlich den "Schrein des Buches", wo Schriftrollen aus Qumran gezeigt werden . In der ganzen, sehr schönen und ansprechenden Museumsanlage könnte man sicher einen ganzen Tag verweilen ohne alles auch nur flüchtig gesehen zu haben, aber auch hier haben wir nur wenig Zeit.
Der Besuch der Gedenkstätte des Holocaust "Yad Vashem" ist ein weiterer Programmpunkt de heutigen Tages. Man kann schon traurig werden, wenn man sieht, was Menschen einander antun können. Das ganze Spektrum der Hilflosigkeit, Schwäche, und Erlösungsbedürftigkeit der ganzen Menschheit tut sich hier auf! Hoffnung spiegelt sich in der "Allee der Gerechten" wo für die namhaft gewordenen Menschen, die in der Zeit des Nazi Regimes den Mut hatten ihrem Gewissen zu folgen, ein Baum gepflanzt worden ist.
Beim anschließendem Programmpunkt "Mittagessen mit der Gelegenheit zur Be-sichtigung einer Diamantenschleiferei" geht von unserer knappen Zeit viel verloren, aber das scheint zum Standartreportoire der Reiseunternehmen zu gehören!
Den Nachmittag schließen wir ab mit einer Abendmesse. Im Untergeschoß des Hotels haben wir einen schönen Raum für die Feier hergerichtet, nur die Kerzen fehlen noch. Das Problem wird schnell gelöst. Schließlich haben wir ja unsere "Jerusalemkerzen" aus Betlehem.
Am Abend ist im Hotelgarten ein Grillabend angesagt. Wir essen neben etlichen Gemüsesorten und Salaten Rind und Lammfleisch in allerlei Versionen. Dazu trinken wir einen exzellenten Wein vom Berg Karmel.
In der Nacht um 3.25 Uhr mache ich noch diese Notizen für das Reisetagebuch. Unser Wecker ist auf 5.00 Uhr gestellt, da wir früh losmüssen.

Freitag 03.05 1996

Nach einem sehr frühem Frühstück geht es durch die Wüste Juda hinab in die Jordansenke. Als erstes wollen wir uns den Ort des letzten jüdischen Widerstan-des gegen die Römer, die Felsenfestung Massada ansehen. Wir sind beileibe nicht der erste Reisebus der heute dieses Ziel anvisiert hat, aber wir müssen nicht allzu-lang an der Seilbahn, welche nach oben führt warten. Für mich ist so eine Seilbahnfahrt überhaupt nichts und so bin ich froh das neben Monika auch Karin und Heribert mit uns unten bleiben. Gemeinsam genießen wir die ca. 2 Stunden ohne "Programm" und haben so Gelegenheit uns etwas umzuschauen.
Nach einer Weile gehen wir zu Fuß den "Schlangenpfad" hinauf. Ich mache eini-ge Fotos von der faszinierenden Umgebung. Nach etwa der halben Strecke ma-chen wir kehrt und machen es uns an der Seilbahnstation gemütlich. Es wird immer heißer und wir trinken Unmengen Wasser. Meine Wasserflasche fülle ich mehrmals an einem gekühltem Trinkwasserbehälter auf. So kann man es aushalten. Dann geht unsere Reise weiter nach Süden. Auf der rechten Seite Berge und Wüste, zu unserer Linken das Tote Meer, und dahinter das jordanische Bergland, was ebenso unbelebt aussieht. Unser Reisebus hat eine gut wirkende Klimaanlage, sodass uns die Fahrt keine Probleme bereitet.
Wir halten in einem kleinen Badeort am toten Meer. Hier gibt es einige Kliniken und Hotels welche die speziellen Wirkungen des stark mineralhaltigen Wassers nutzen.
In der Hauptsache werden Patienten mit Psoriasis (Schuppenflechte) behandelt, doch natürlich auch andere Leiden. Durch Hochpumpen des Tiefenwassers wird ein Mineralgehalt von über 30% erreicht. Der rötliche Sandstrand wirkt sehr gepflegt. Natürlich wollen alle ins Wasser.
Ich komme als einer der letzten ins Wasser, weil ich noch von den auf dem Rü-cken liegenden, zeitunglesenden, wie ein Korken schwimmenden Reiseteilnehmern, Fotos mache.
Es ist wirklich ein einmaliges Erlebnis hier 400 Meter unter dem Meeresspiegel ein Solbad zu nehmen. Die Haut fühlt sich wie mit Seife eingeschmiert an und beim anschließenden Duschen mit Süßwasser ist es gar nicht so einfach alles abzuwaschen.
Beim Mittagessen sitzen wir unter fremdartigen Bäumen und aufdringliche, laut pfeifende Vögel warten auf die Krümel. Alle Sträucher und Blumen werden, wie auch anderswo, künstlich bewässert. Anders würden die Pflanzen hier nicht so prächtig gedeihen.
Auf dem Rückweg wird es immer wärmer. Das tote Meer gleißt und die Luft dar-über flimmert. Mal sieht das Wasser aus wie flüssiges Blei mal schimmert es in giftigen Grüntönen. Dann und wann kommt ein Fahrzeug entgegen. Meist sind es Reisebusse mit anderen Gruppen.
Unser nächstes Ziel ist Qumran mit den Ruinen der Essenersiedlung. Yarif zeigt uns die Mauerreste von Schreibstuben, Speise und Schlafräumen, Die Wasserbecken für rituelle Reinigungen (Taufen ?) und natürlich einige der Höhlen wo die berühmten Schriftrollen gefunden wurden. Wir stehen in der prallen Sonne doch durch die sehr niedrige Luftfeuchtigkeit kann man es aushalten.
Wieder im Hotel angekommen, bittet uns Yarif noch zum Abschluß unserer Reise, zu einer Gesprächsrunde. Für die meisten war wohl die Holocaust-Gedenkstätte am beeindruckendsten gewesen. Es ist schon recht schwer, persönliche Gefühle in Worte zu fassen. Auch Yarif war recht bewegt. Ich glaube wir haben alle viel voneinander gelernt.
Beim anschließenden Singen war ich so müde, dass ich immer wieder einnicke, sodass ich bald für die letzte Nacht mein Bett aufsuche und recht ordentlich schlafe.

Samstag 04.05 1996

Heute ist unser Abreisetag. Die Zeit ist viel zu schnell vergangen und gerne wä-ren wir länger geblieben. Nach dem Frühstück wartet schon unser Bus. Ein Ange-stellter des Reiseunternehmens begleitet uns zum Flughafen Ben-Gurion. Der Busfahrer fährt nicht über die Autobahn, sondern noch lange Zeit durch das Westjordanland, der schöneren Landschaft wegen, wie er sagt.
Am Flugplatz ist die Warterei endlos.Wiederum gibt es strenge Kontrollen. Alle versuchen noch die letzten Schekel auszugeben. Auch als wir endlich im Flugzeug sitzen, müssen wir noch einige Zeit warten bis wir endlich zur Startbahn rollen und abheben. Von einigen sehr seltsamen Geräuschen abgesehen haben wir einen ruhigen Flug. Wir können es gar nicht glauben, als der Flugkapitän kurz vor der Landung in Frankfurt zunächst auf Hebräisch, und dann auf englisch durchgibt, dass uns unten eine Temperatur von 9 Celsius erwartet. Unser Flugzeug wird nach der Landung von gepanzerten Fahrzeugen begleitet. Weit vor dem Terminal wird eine Treppe herangerollt und wir werden von Bussen abgeholt die uns an einen entfernten Teil des Abfertigungsgebäudes absetzen. Wir holen unsere Koffer ab und fahren dann mit "Gossens-Reisen" direkt nach Essen. Im Bus fühlen wir uns bei Brühwürstchen und Bier, welches wir von einem blonden Ruhrgebietsmädel serviert bekommen, schnell wieder daheim.
Wir haben viel gesehen und erlebt, viel erfahren und gelernt, doch die meisten sind der Ansicht das Israel noch einiges zu bieten hat. Und wer weiß, vielleicht fahren wir in drei bis sieben Jahren wieder hin!

Herbert Sippel

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