THASSOS

Ein Reisetagebuch

Mittwoch 30. August 1995

Düsseldorf um 5 Uhr 30. Ich hätte nie gedacht, dass so früh schon so viele Menschen auf den Beinen sein könnten! Überall Gruppen und Grüppchen von reiselustigen Menschen. Immer mehr Leute treffen ein, suchen ihren Schalter, studieren die Flugpläne, treffen sich mit Mitreisenden oder stehen nur einfach da und warten. Vor der Treppe, die zu den Flugsteigen führt, stauen sich schon die Menschen, obwohl laut Flugplan vor 6 Uhr kein Flugzeug starten darf.
Nachdem wir unsere Koffer am LTU Schalter losgeworden sind und wir unsere Plätze haben, schlendern wir noch ein bisschen durch die Halle und schauen dem Treiben zu. Nach und nach trifft der Rest unserer Truppe ein. Ruth hat einen sperrigen Sonnenschirm dabei, den sie nur mit Mühe bändigen kann.Wir reihen uns in die inzwischen lang gewordene Schlange ein, die uns zu unserem Flugsteig führt.
Noch einmal setzen, noch einmal Pippi machen und schon wird unser Flug aufgerufen. Als Erster von allen Mitreisenden betrete ich das Flugzeug und mache es mir neben Monika bequem .Wir sitzen ziemlich vorne und bekommen so mit, dass ein Mechaniker und ein Sicherheitsbediensteter ständig zwischen dem Cockpit und dem vorderem Eingang Hin und Her laufen. Schließlich werden wir aufgeklärt. Eine defekte Batterie muss ausgetauscht werden.
Als sich das Flugzeug in Bewegung setzt und auf die Startbahn zurollt, übergibt sich hinter uns ein Kind, und ich denke nur, "Das fängt ja gut an". Die Flugbegleiterin, b.z.w. die Flugbegleiterin im Videofilm, ist gerade fertig mit den Instruktionen für das Verhalten bei einer Notwasserung, da sind wir auch schon in der Startposition . Die Triebwerke heulen auf, und wir werden über die Startbahn gejagt. Es beeindruckt mich wieder einmal, welche gewaltige Kraft in den riesigen Triebwerken steckt, die uns jetzt nach oben schieben und uns bis in eine Höhe von fast 11 Kilometern bringen.
Nachdem die Schilder "RAUCHEN VERBOTEN " und "BITTE ANSCHNALLEN" erloschen sind, verfolgen wir gespannt die Flugdaten über unsere Höhe, die Entfernung vom Abflugsflughafen, die Außentemperatur u.s.w . Dann probiere ich den Kopfhörer, den ich beim letzten Flug von der LTU erworben habe, aus. Das Programm bietet neben einigen Musiksparten hauptsächlich Eigenwerbung. Zu sehen gibt es wegen des etwas trüben Wetters auch nicht viel, so dass das Frühstück etwas Abwechslung bringt Auf dem Weg zur Toilette ( ich muss warten, weil noch andere nach dem Kaffee müssen ) schaue ich aus dem Fenster und kann tief unter uns die Donau, die sich durch die ungarische Pußta windet, ausmachen.
Es ist irgendwie sehr unwirklich weit weg! Dann werden schon die Motoren gedrosselt und der Sinkflug beginnt. Es ist schon ein tolles Gefühl, so zu schweben und in einem Element zu sein, das sonst nur den Vögeln oder den Engeln vorbehalten ist.
Dann sehen wir Thassos, zuerst noch schemenhaft , dann immer deutlicher und gewisser. Doch zunächst müssen wir noch nach Chrisopulos, dem Flugplatz von Kavalla. Die Landung ist perfekt. Wir, die schon einmal da gewesen sind, staunen über die Bautätigkeit am Flughafengelände .An der Gepäckausgabe fällt uns auf, dass das Laufband, welches uns die Koffer bringen soll, bedeutend länger geworden ist, was aber nicht heisst dass alles bedeutend schneller geht. Größer geworden hingegen ist unsere Gelassenheit.
Als wir alle unsere Koffer haben, eine neue Überraschung. Die Vergabe der Taxen wird polizeilich überwacht. In Keramoti angekommen, erfahren wir dass jeder der drei Taxifahrer einen anderen Preis gefordert hat. Wir haben für unser Taxi 2500 Drs. bezahlt, (andere weniger). Wir haben noch etwas Zeit bis zur Abfahrt der Fähre und so nehmen wir noch ein Erfrischung in einem Lokal direkt am Hafen.
Als die Fähre endlich kommt, staunen wir wieder mal, wieviel Menschen und Fahrzeuge dort Platz haben. Wir stellen unsere Koffer einfach unten ab und begeben uns nach oben auf das Oberdeck und schauen dem Treiben zu. Die Fähre legt ab, und wir schauen den Möwen zu, die das Schiff begleiten. Ich mache einige Fotos, und hoffe, ein paar Möwen bei ihren Flugkunststücken auf den Film zu bannen.
Nach einer knappen Stunde sind wir endlich auf Thassos und sehen noch gerade unseren Bus davonfahren. Wir entschließen uns, auf den nächsten Bus, der allerdings erst um 14 Uhr kommt, zu warten. Da auch keine drei Taxen in der Nähe sind, die einzig richtige Entscheidung! Für 700 Drachmen fährt uns dann der Bus nach Limenaria am Südende der Insel zu unserem Ziel, der Pension "Fokia" (Seehund).
Karla erwartet uns bereits und weist uns in unsere Zimmer ein. Im Kühlschrank sind schon Getränke bereitgestellt, aber erst gibt es mal einen Zippuro, einen hochprozentigen Ouzo. Die Koffer sind schnell ausgepackt und wir trinken erst mal einen Kaffee.
Dann geht es sofort ans Wasser. Es gibt hohe Wellen, das Wasser ist trüb, und es ist ziemlich kühl und windig. Auch finden wir unsere Sandbank, auf der wir uns vor 2 Jahren so schön getummelt haben, nicht. Überhaupt ist der Strand in Limenaria nicht mehr so schön wie damals. Der meiste Sand ist weggespült und der grobe Kies bedeckt den Strand.Wir sind etwas enttäuscht!
Dann kommen wir Neun zusammen und einigen uns nach einigem Hin und Her auf ein gemeinsames Frühstück morgens um 9 Uhr unten im Garten. Anschließend gehen wir essen in ein etwas besseres Strandlokal direkt am Wasser. Wir sind müde, aber ein Absacker auf dem Balkon ist noch drin. Dann geht es aber ab ins Bett.

Donnerstag 31. August 1995

Wir sind früh auf. Monika sitzt seit 7 Uhr auf dem Balkon und strickt. Es ist noch kühl und die Luft ist frisch und klar. Heinrich Mühlenbeck und Helmut Mühlenberg lassen sich nicht abhalten schon vor dem Frühstück schwimmen zu gehen. Um 8.20 Uhr gehe ich zum Bäcker um die Ecke und besorge Brötchen. Unten, hinter dem Haus, ist der Tisch schon gedeckt und wir frühstücken erst mal ausgiebig.
Dann gehen wir als Erstes Geld tauschen. Der Ort hat sich in den letzten 2 Jahren praktisch nicht verändert, wie wir erleichtert feststellen. In der Post, am Ortende tausche ich 400 DM in Drachmen. Einhundert Drachmen kosten 0,6327 DM. Das ist ein bedeutend besserer Kurs als in Deutschland. Nach und nach treffen wir uns und wir gehen die Treppe zum Kruppalast hoch. Die Bauarbeiten zur Erhaltung des Gebäudes sind im Gange. Da wir einmal oben sind, gehen wir auch weiter zur Kruppbucht. Natürlich hat keiner eine Badehose dabei, deshalb beschränken wir uns auf ein Fußbad. Das Wasser ist warm und klar und wir sammeln unsere ersten Steinchen. Auch Heinrich Wilkes wird von unserem Sammeln angesteckt. Dann geht es über die Brücke zurück in den Ort.
Unterwegs kaufen wir kiloweise Weintrauben, die wir auch gleich essen. Telefonkarten (überall gibt es jetzt funktionierende Kartentelefone ) besorgen wir uns auch. Dann ist erst mal Mittagspause mit Amstelbier, welches wir inzwischen besorgt haben.
Nach dem Mittagsschlaf geht es erst mal ans Wasser. Es ist bedeckt und die Wellen gehen hoch. Zum Abendessen geht es in unsere alte Stammkneipe zum Jannis. Er freut sich uns zu sehen und stellt erst mal 2 Fläschchen Ouzo auf den Tisch. Wir können leider nicht draußen sitzen, da es an zu tröpfeln fängt, aber drinnen ist es auch gemütlich. Zum Abschluss der Mahlzeit gibt es noch frische Feigen und Weintrauben vom Haus. Die Rechnung für neun Personen von 11800 Drs stocken wir auf 13000 Drs auf. Das macht pro Person ca. 9,15 DM. In der Nacht gibt es ein heftiges Gewitter, doch wir schlafen gut.

Freitag 01. September 1995

Monika wäscht sich die Haare und muss dann feststellen, das kein Strom zum föhnen da ist. Das Gewitter in der Nacht hat wohl einige Schäden verursacht. Gott sei Dank haben wir Gas, um unseren Kaffee zu kochen. Helmut Siegmund holt Brötchen und wir frühstücken wieder fürstlich. Dann wandern wir Richtung Kalivia. Die uralten Olivenbäume strotzen vor Fruchtbarkeit. In Kalivia gehen wir kurz in die Kirche und schauen uns sie uns an. Bei Susi, die es aus Berlin hierher verschlagen hat, machen wir Pause und trinken etwas. Monika trinkt Frappeé und ich trinke einen griechischen Kaffee und ein Bier. Auf dem Heimweg kaufen wir Weintrauben. Dann wird Siesta gemacht.
Janas Vetter Apostoles fährt mit seinem Dreirad durch die Pfütze vor dem Haus, die sich nach dem Gewitter in der Nacht gebildet hat. Er kann gar nicht genug kriegen. Ülle liest, Heinrich schreibt wie ich sein Tagebuch, Monika strickt Socken, Ruth hat Putz und Flickstunde, der Rest der Truppe pennt wohl noch. Nach dem Kaffee geht es nach Tripiti zum baden. Wir müssen zwar ca. 40 min. laufen aber es lohnt sich wirklich! Manchmal hat Helmut M. Glück und sieht etwas, was er sonst nicht zu sehen kriegt, ansonsten spricht er von Zölibatsverstärkern! Der Strand ist sauber und das Wasser absolut klar. Beim Schnorcheln kann man viel Fische entdecken und es macht auch sonst viel Spaß sich in dem warmen Wasser zu tummeln. Nach dem Duschen geht es zur "PIZZA MARIE", wir essen alle verschiedene Sorten und tauschen uns aus, so dass jeder mal was anderes probieren kann. Ich habe wirklich nirgends eine bessere Pizza gegessen. Irgendwann tauchen Karla und Jana auf. Jana fährt mit ihrer Freundin Arthemis auf einem Spielgerät. Das Geld stammt natürlich von Oma Ruth. Dann geht es über den "Rummel" zurück zum Haus. Nach einer Flasche Bier auf dem Balkon zum TagesAbschluss geht es ab ins Bett.

Samstag 02. September 1995

Heute Morgen geht es zur Kruppbucht zum Baden. Im Wassser haben wir statt Sand eine etwas wellige wie Waschbeton anmutende feste Platte als Bodengrund. Das Baden macht richtig Spaß. Wir aalen uns in der Sonne und sammeln Steinchen in den Badepausen. Im passenden Moment kommt ein griechischer Händler und bietet uns Gebäck an.
Wieder am Haus machen wie es uns auf dem Balkon bequem. Monika strickt und ich trinke ein kühles Bier. Anschließend geht es erst mal ins Bett zum Mittagsschlaf. Mit dem Bus fahren wir dann alle, bis auf Helmut M. der unbedingt beide Strecken laufen will, zum Nachbarort Potos. Gerade als wir im Ort ein Eis essen, kommt Helmut auch schon an.
Wir machen noch eine Runde durch den Ort und machen uns zu Fuß auf den Weg nach Limenaria. Der Weg führt über die Ferienanlage "Alexandrabeach" zunächst nach Pefkari wo wir eine kleine Pause machen. Heinrich Wilkes liest auf der Speisenkarte etwas von Rinderbraten mit Soße und würde am liebsten dort essen. Doch wir müssen weiter, da es langsam, aber sicher dunkel wird. Die Landschaft, durch die wir wandern, ist unwirklich schön. Überall hat man tolle Aussichten auf das türkisfarbene und kräftig blaue Wasser. Die Erde ist durch den hohen Eisenerzgehalt rotbraun und bildet einen Kontrast zu den fast unverschämt leuchtend grünen Koniferen. Die Olivenbäume mit ihren silbergrünen Blättern und ihren knorrigen, verwachsenen Stämmen bilden kleine Haine. Am Wegesrand findet man blühende Kakteen und viele uns unbekannte Pflanzen. Eine große Steineiche steht vor der Kapelle auf dem Krupphügel. Am Himmel kündigt sich ein schöner Sonnenuntergang an.
Es ist schon dunkel, als wir wieder zuhause sind. Wir essen heute in der Taverna "LIMENAROSSI". Es gibt Wein vom Fass aus Messinglitermaßen. Da uns der Wein gut schmeckt, und der Liter nur 800 Drs. kostet, trinken wir gleich drei davon. Ich esse Lamm, Monika Schweinekotelett. Anschließend auf dem "Rummel" handelt Monika für Helmut Siegmund und Heinrich Wilkes, die sich ein Tshirt kaufen wollen, jeweils 200 Drs. runter. Helmut M. lädt uns noch auf einen griechischen Kaffee in ein besonders schönes, im alten Stil aufgemachten Kafeneon ein. Der Kaffee, der mit dem Kaffeesatz getrunken wird, wurde in einem langstieligem Kupferkännchen serviert. Ein schöner TagesAbschluss und dann wird es Zeit fürs Bett.

Sonntag 03. September 1995

Nach dem Frühstücken, auch heute gibt es frische Brötchen, und dem Spülen feiern wir um 10 Uhr die hl. Messe. Wir haben Gäste. Gudrun und Luis aus Burghausen, die wir bereits vor zwei Jahren hier kennen gelernt haben und Karlas Halbschwester Marlis mit Horst, ihrem Mann, auch sehr nette Leute. Im Anschluss an die Messe machen wir einen kleinen Frühschoppen. Monika muss unbedingt putzen und anschießend stricken. Dann rufen wir den Opa an und gehen dann in den Supermarkt, der auch am Sonntag geöffnet hat. Wir besorgen uns Tempotaschentücher, Duschdas, Ansichtskarten usw. Auf dem Balkon trinke ich dann eine Flasche Amstel. In der Sonne ist es sehr warm, im Schatten angenehme 25 Grad und im Wind fast kühl. Wir wollen heute Nachmittag baden, doch erst wird der obligatorische Mittagsschlaf gemacht.
Um 15.30 Uhr gibt es Kaffee und Cremschnitten. Anschließend geht es zum Strand. Leider finden wir für Monika keine Sandbank, auf der sie stehen kann, doch ich und die anderen kommen auf ihre Kosten. Das Wasser ist wieder ganz klar und zwischen den Steinen gibt es viele bunte Fische zu sehen. Dann geht es auf Juwelensuche. Die Steinchen am Strand sind wunderschön, man muss sich einfach bücken und sie aufheben.
Das Abendessen nehmen wir in einem Lokal direkt am Hafen ein. Wir sitzen etwas erhöht und haben eine gute Aussicht. Hier bekommen wir auch einen besonderen Retsina, der etwas teurer ist aber genau so schmeckt wie der sonst übliche. Monika wählt Pastitsio und ich nehme gebackene Muscheln. Es schmeckt uns gut und alle sind zufrieden. Unseren Kaffee nehmen wir heute wieder im Kafeneon wie gestern. Ich finde den Laden ziemlich teuer aber immer noch preiswert. Der Abend findet seinen Abschluss auf dem Balkon, wo es noch einen Ouzo und ein Amstelbier gibt.

Montag 04 September 1995

Nach dem wir gestern unseren Hausstrand mit Kies und Steinen hatten, machen wir uns gleich nach dem Frühstück auf nach Tripiti. Helmut M. und Helmut S. wollen sich heute ein Moped leihen. Der Rest + Jana will baden. Schon auf dem Hinweg wird es reichlich warm. Am Strand von Tripiti liegt ganz feiner Sand und man kommt gut ins Wasser. Überhaupt sind hier Strand und Wasser einfach super. Am ganzen Strand gibt es genügend Platz für alle ( für jeden mehr als 100 qm ). Wir leihen uns einen Liegestuhl und einen Sonnenschirm, was aber nicht erforderlich ist, da man im warmen Sand auch wunderbar liegen kann. Hier kommt auch Monika auf ihre Kosten. Irgendwann taucht Karla mit ihrem Auto auf, nimmt Jana, Ruth und Heinrich Mühlenbeck mit und nimmt sich auch unserer Badetaschen an. Als wir zu Hause ankommen, geht es nach dem Duschen gleich ins Bett zur Siesta.
Nach dem Kaffee baue ich im Garten aus Ziegelsteinen einen Grill. Monika liest und Ülle schreibt Karten. Dann versuche ich von der näheren Umgebung des Hauses einige Fotos zu machen, gebe es aber nachher auf, weil mir Jana, die mich ständig schuppt, langsam auf den Keks geht!
Abends geht es mal wieder zum Jannis. Er ist wie immer freundlich und gut gelaunt. Wir sitzen auf der Straße und es herrscht eine tolle Stimmung. Immer mehr Tische werden herausgeschleppt, damit alle Platz haben. Alle, auch die vielen Katzen, werden rundum satt.

Dienstag 05 September 1995

Heute wollen wir zur Hauptstadt der Insel. Der Bus, der uns nach Limenas bringen soll, fährt gegen 8.05 Uhr ab. Unterwegs müssen wir an Karin denken! Die Küstenstraße ist atemberaubend schön und besonders vom Bus aus hat man schöne Ausblicke auf das in verschiedenen Farben leuchtende Meer und die versteckten Buchten mit ihren Stränden.
Wir kommen durch Skala Marion, Skala Kalirahis, Skala Sotira, Kalives zunächst bis Prinos (Prinou) wo wir umsteigen müssen. Dann geht es weiter über Skala Rahoinou nach Limenas (Thassos). Der Hauptort der Insel hat etwa 2000 Einwohner. Dort steigen wir zuerst zum Amphitheater hoch und schauen den Archäologen zu die dort arbeiten. Weiter geht es dann zur Akropolis hoch, von wo man einen tollen Ausblick nach allen Seiten hat. Tief unten sieht man den Rest der antiken Stadt, die inzwischen von der heutigen Stadt umschlossen ist. Dahinter der alte Kriegshafen, der ganz mit Marmorplatten ausgelegt war. Man kann sich recht gut die ganze, gut befestigte Anlage vorstellen.
In einem Kiosk mit Sitzgelegenheit machen wir eine Pause und trinken etwas. Der Inhaber, der mit seinen Katzen herumalbert und zur Belustigung seiner Gäste allerlei vorführt, reicht uns Wassermelonen zur Erfrischung. Die imposante Stadtmauer, an der wir nun zum Hafen heruntergehen, stammt hauptsächlich aus dem 4. Jahrhundert vor Chr., ist aber auf den noch vorhandenen Fundamenten aus dem 7. vorchristlichem Jahrhundert errichtet. Wir kommen noch an einer kleinen frühchristlichen Basilika vorbei die Heinrich M. auf seinem Skitzenblock fest hält. Ich mache wie immer viele Fotos. Als wir dann zum Hafen kommen, suchen wir vergeblich die Marmorplatten auf dem Hafengrund des antiken Kriegshafens. Im Ort kaufe ich eine neue Telefonkarte. Dann suchen wir ein Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen. Wir finden ein schattiges Plätzchen für unsere Pause. Ich esse ca.20 Fischchen, die hervorragend schmecken. Monika ist vom Gyros ganz begeistert. Um 16 Uhr fährt unser Bus zurück nach Limenaria. Wir sind alle müde und haben Durst. Monika macht für alle Kaffee, aber ich trinke erst mal ein Bier. Dabei schreibe ich mein Tagebuch. Dann bekomme ich Appetit auf Obst und kaufe einen Pfirsich und eine Nektarine. Am Abend bummeln wir durch den Ort und trinken noch Amstelbier aber mein Hunger auf Obst ist noch nicht gestillt. Ich kaufe mir noch einen Apfel, den ich auch gleich zur Hälfte esse. Bevor wir ins Bett gehen, gibt es auf dem Balkon noch einen Retsina !

Mittwoch 06. September 1995

Es ist leicht bewölkt aber ziemlich warm. Helmut M . und Heinrich M. sind seit 6.00 Uhr mit Horst und Luis auf dem Weg zu unserem Hausberg "Mathäi" und wollen gegen Mittag wieder da sein. Wir wollen grillen und ich besorge Fisch. Nach dem Frühstück habe ich den ganzen Morgen mit dem Fisch zu tun. Das Ausnehmen der nur handlangen Fische macht ja schon viel Mühe, aber als ich sie dann hinterher noch sorgfältig entschuppen muss, artet es in Arbeit aus. Um 12.10 Uhr bin ich endlich fertig!
Der ganze Morgen ist dunstig und schwül und wir schwitzen wie doof. Am Wasser ist es etwas kühler und ich gehe mit Monika zum Strand. Einige sind bis Pefkari gelaufen und wollen noch ein Eis essen. Dann ist für mich die Zeit für den Mittagsschlaf gekommen.
Um 15.30 Uhr macht uns Ruth Kaffee. Kurze Zeit später kommen auch unsere Bergwanderer heim. Sie sind völlig kaputt, aber glücklich ( wie sich das gehört ). Heinrich zeigt seine Schätze ( Mineralien usw. ), Helmut M.geht erst mal schwimmen.
Um 18.00 Uhr wird der Grill angeworfen. Die Fische, die ich zunächst in Retsina gebadet und dann pikant gewürzt habe, werden von Ülle liebevoll paarweise in Alufolie verpackt. Gudrun hat beim Metzger noch einige Schnitzel bestellt und auch bekommen. Dann kann es losgehen. Wie erwartet, kommt es zu einer kleinen Orgie. Jeder hat versucht, etwas beizusteuern und so ist natürlich viel zu viel zu essen da, und auch an Getränken mangelt es nicht. Es schmeckt uns alles vorzüglich und wir haben eine gute Stimmung. Unser Schmausen wird von einem heftigen Gewitter unterbrochen. Wir müssen nach innen umziehen. Vorsichtshalber stecken wir eine Kerze an, da wir einen Stromausfall befürchten. Nach vielen Gläsern Retsina und Ouzo ist es dann so weit. Ich falle mit Getöse vom Stuhl. Aber keine Panik! Vom Kunststoffstuhl ist ein Bein abgebrochen und die Feier kann weitergehen.

Donnerstag 07 September 1995

Die Wellen gehen hoch, doch nach dem Frühstück wird erst mal gebadet. Wir haben an einer ehemaligen Ölmühle ein ruhiges Plätzchen gefunden, doch der steinige Strand ist nicht ideal zum Liegen, aber zu Fuß am schnellsten zu erreichen. Vor dem Mittagsschlaf gehe ich Geld wechseln. Heute kosten 100 Drs 0.6332 DM. In der Apotheke besorge ich mir für 335 Drs. Nasenspray.
Am Nachmittag fahren wir mit dem Bus nach Skala Marion. Wir wollen von dort nach Limenaria zurücklaufen. Nachdem wir uns im Ort umgeschaut haben nehmen wir am Hafen einen Kaffee. Dann laufen wir, mit der Sonne im Rücken erst mal in Richtung Kalivia. Es geht zuerst an ziemlich unaufgeräumten Kleingärten vorbei bevor die Landschaft richtig schön wird. Auf einem Lagerplatz ( für Langholz ? ) finde ich in Erzbrocken schöne Kristalle. Zur rechten haben wir hügeliges Land, zur linken erhebt sich der "Mathäi". Die vorherrschende Farbe für den Boden ist ein warmes rotbraun und für die Baumwipfel und die Sträucher ein leuchtendes grün. Wenn man genau hinschaut, sieht man aber auch verkohlte Baumstümpfe von den letzten Waldbränden.
Wir kommen an Schafherden vorbei und biegen Richtung Kalivia ab. Oberhalb von Kalivia haben wir einen bezaubernden Ausblick über Limenaria und Kalivia. Mein Hemd, das ich völlig durchgeschwitzt habe und zum Trocknen auf einen Stock aufgehängt ist, wirkt wie eine Fahne. Bei Susi aus Berlin essen wir zu Abend. Kaum sind wir da, taucht Helmut Pastor mit seinem Moped auf. Er hat die Insel erkundet, und besorgt uns, da es kühler wird und er motorisiert ist, erst mal Westen. Auf unser Gyros, was einige von uns bestellt haben, müssen wir etwas warten, aber alles schmeckt wieder mal prima! Bevor wir ins Bett gehen, nehmen wir auf dem Rummel noch einen Absacker.

Freitag 08. September 1995

Heute wollen wir in der Bucht von Aliki baden. Vorher wollen wir noch einen Abstecher zum Kloster "Archangolo" ( Erzengel ) machen. Michael, unser bewährter Taxifahrer, holt um 10.40 Uhr ab. Die erste Tour ist schon um 10 Uhr abgeholt worden. Wir fahren über die gut ausgebaute Küstenstraße zum Kloster, das dem heiligen Michael geweiht ist. Hier soll der heilige Michael vor langen Zeiten höchst persönlich einen Nagel vom hl. Kreuz eingeflogen haben. Da er bei dieser Gelegenheit gleich drei Türken erschlagen haben soll, steht das Kloster in sehr hohem Ansehen. Um die Klosterkirche und das Klostergelände betreten zu können, muss man würdig gekleidet sein. Glücklicherweise wird schickliche Kleidung am Eingang für Männlein wie Weiblein bereit gehalten, so dass es keine Probleme gibt. Nach der Besichtigung der Klosterkirche genießen wir den großartigen Blick auf die unter uns bis ins Meer reichenden Marmorfelsen.
Unser Taxifahrer Michael, der uns in zwei Touren fährt, ist schon nach 15 Minuten wieder da und holt uns nach Aliki ab. Der Rest der Truppe trinkt schon eine Erfrischung in einem Strandlokal. Dann gehen wir erst mal auf die Halbinsel mit den Ausgrabungen und dem antiken Marmorsteinbruch. Unterwegs fotografiere ich unentwegt mit der 6 x 6 Kamera. Einigemal vergesse ich den Film weiterzuspulen. Hoffentlich werden wenigstens einige Aufnahmen gut! Immer wieder bewundere ich die einmalige Lage der Anlage. Auch der Blick in die Bucht ist einfach traumhaft. Die Farben sind irgendwie unwirklich schön. Das Grün der Bäume ist trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit so leuchtend hell, wie bei uns kaum im Frühling. Das Wasser ist völlig klar und ist je nach der Tiefe Himmelblau, Hellblau oder kräftig Türkis.
Dann geht es runter an den Strand zum essen. Don Helmut, der auf unsere Badeutensilien geachtet hat, trinkt eine gute Flasche Rosee´. Monika bestellt gebackenen Feta und ich esse frittierte Fischchen, die ausgesprochen lecker sind. Endlich geht es ins Wasser. Das Wasser ist ruhig und warm. Man kann auf feinem Sand ziemlich weit in das Meer laufen. Am Rand der Bucht, wo es einige Steine gibt, kann man viele Fische in allen Formen und Größen beobachten. Irgendwann am späten Nachmittag stellt Monika fest, dass sie schwimmen kann! Es ist einfach ein wunderschöner Tag.
Wieder zuhause, gibt es nach dem Duschen erst mal ein Bier. Anschließend geht es noch auf den Rummel, wo wir noch ein leckeres PitaGyros essen. Dann gibt es noch ein Eis auf der Hand und in unserer Weinlaube noch ein Glas Retsina bevor, wir ins Bett gehen.

Samstag 09 September 1995

Kastro, ein Ort hoch in den Bergen, ist heute unsrer Ziel. Da Kastro weder mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch mit dem Taxi zu erreichen ist, und wir auch keine Tageswanderung machen wollen, gibt es nur eine Möglichkeit. Karla lässt ihre Beziehungen spielen und organisiert einen LKW nebst Fahrer der, wie sich herausstellt, der Schwiegervater von Susi aus Berlin ist. Um 10 Uhr steht unser "Thassosbus" bereit. Eine Treppenleiter hilft uns auf die Ladefläche. In Kalivia an Susis Kneipe wird der LKW "bestuhlt" und wir haben Sitzplätze. Dann geht es durch eine immer grüner werdende Landschaft langsam aber stetig höher und höher. Dann, in einer steilen Kurve, steigt unser Fahrer aus, um seine Ziegen auf den rechten Weg zu pfeifen. Plötzlich ein Rucken, die Handbremse war wohl nicht mehr die beste, und unser Fahrzeug bewegt sich rückwärts. Geistesgegenwärtig springt Luis ab, und legt Steine hinter die Räder. Ich bekam richtig Schiss aber Costa, unserem Fahrer schien es weniger auszumachen. Dann geht es weiter über den holperigen Weg nach oben. Als wir die Höhe von Kastro fast erreicht haben, riecht es nach Gummi und wir halten an. Beide rechten Hinterreifen sind platt. Wir steigen ab und gehen zu Fuß weiter. Die Landschaft ist einmalig schön. Am Wegesrand stehen Kästen mit Bienenvölkern, die hier in der reinen, spürbar sauberen Luft ihren weit über Thassos hinaus bekannten Honig sammeln.
Nach ca. 20 Minuten ist es Costa irgendwie gelungen, das Auto wieder flott zu bekommen und holt uns ein. Die Landschaft, durch die wir nun fahren, könnte man fast paradiesisch nennen, wären da nicht die Spuren früherer Waldbrände zu sehen, die jedoch von frischem, lebendigen Grün überdeckt werden. In Kastro sehen wir viele Ruinen von aufgegebenen Häusern. Die Verdienstmöglichkeiten sind anderswo einfach besser. Aber langsam belebt sich dieser, früher sicher einmal bedeutende Ort wieder. Man sieht etliche Bemühungen, dem Verfall Einhalt zu gebieten, sicher auch von Leuten, die sich eine Zweitwohnung leisten können und die absolut ruhige Lage und die gute Luft zu schätzen wissen.
In der einzigen "Gaststätte" des Ortes werden wir vom Wirt, der wohl auch Dorfältester und Küster der sehr schönen Kirche ist, herzlich begrüßt. Sein Lokal ist ein unglaublich einfacher kleiner Saal. Zur Begrüßung reicht er uns altes Weißbrot und dazu sehr gut schmeckender, selbst gemachter, Ziegenkäse. Es stellt dann eine 2 Literflasche Ouzo auf den Tisch und fordert uns auf, uns zu bedienen. Als die Flasche leer ist, wird sie aus einer großen Korbflasche nachgefüllt. Nachdem wir uns solchermaßen gestärkt haben, schauen wir uns den Ort an. Als Erstes besuchen wir die alte GriechischOrtodoxe Kirche. Wie in diesen Kirchen üblich, wird der Altarraum von den Gläubigen durch eine Wand aus Ikonen der so genannten Ikonestase abgetrennt. Auch findet man in der ganzen Kirche überall Ikonen und an einigen Stellen sind mit Sand gefüllte Gefäße, in die man Opferkerzen, die es in verschiedenen Größen zu kaufen gibt, stecken kann. Obwohl der Ort keine 50 Einwohner mehr hat werden hier regelmäßig Gottesdienste abgehalten.
Auf Thassos, wie auch sonst häufig in Griechenland werden die Gebeine der Verstorbenen nicht in der Erde ruhen lassen, sondern kommen nach einer gewissen Frist in ein Beinhaus. So ein Beinhaus, wo die Knochenreste frei herumliegen, befindet sich auch am Ortsende von Kastro, wo der Fels steil abstürzt. Die Kapelle zum hl. Elias schauen wir uns auch noch an, bevor wir unser Picknick auspacken.
Jeder steuert etwas zum Picknick bei. Wir tafeln wieder einmal fürstlich. Zu unserer Siesta ziehen wir uns auf eine Wiese am Ortseingang zurück. Wir liegen in der lauen Luft unter Bäumen und sind völlig ungestört. Irgendwann holt uns Costa mit dem "Thassosbus" ab. Ohne Zwischenfälle geht es dann wieder talwärts. Dann gammeln wir noch ein bisschen und gehen zum Abendessen ins "Gymnasium". Die Speisenkarte ist wie ein Schulheft aufgemacht, die Weintrauben über den Tischen an denen wir sitzen wachsen uns bis in den Mund. Auch der Wein schmeckt, doch mein Essen ist mehr als Bescheiden. Das Stück Huhn, welches ich bestellt habe entpuppt sich als der völlig verbrannte Hals und der Rücken eines Hähnchens (das Fleisch wurde wohl zu Geflügelsuflaki verarbeitet ). Auf meinen Einwand meinte der Wirt nur "Pech gehabt, schlechtes Teil erwischt". Ich fand das gar nicht komisch!

Sonntag 10. September 1995

Um 9 Uhr Frühstück,um 10 Uhr Messe, das ist fast wie zu Hause. Es scheint wieder recht warm zu werden. Wir feiern die Sonntagsmesse wieder draußen in der Weinlaube hinter den Haus. Ich habe neue Batterien für den Fotoapparat besorgt und auch einen neuen Film eingelegt. Die Retsinasorte wird auch mal gewechselt und wir machen einen ausgedehnten Frühschoppen. Monikas strickt und ich schreibe mein Tagebuch. Dann bekommen wir auf unserem Balkon Besuch von Don Helmut. Ihm geht die wirtschschaftspolitische Lage der Bundesrepublik nicht aus dem Kopf. Vor allem haben es ihm die Lohnnebenkosten angetan. Unsere Meinungen nähern sich nur wenig und recht zögerlich. Helmut gibt es bald auf mich aufzuklären und zieht sich auf seinen Balkon zurück. Dort liest er weiter in seinem Buch wie man umsonst durch Deutschland kommt.
Gegen 2 Uhr telefoniere ich mit Mutter. Sie isst gerade mit Onkel Theo, der zu Besuch da ist, "Frische Suppe". Zu Hause regnet es und hier sind ca. 27° im Schatten. Der Nachmittag verläuft ruhig und ich schlafe von 15.15 Uhr bis 16.30 Uhr tief und fest.
Um ca. 19.00 Uhr machen wir uns auf den Weg in den Ort. Wir wollen uns für eine am Dienstag stattfindende Inselrundfahrt anmelden. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens gehen wir nach Kalivia zum Abendessen. Als wir dort in der Küche auf dem Grill ein ganzes Lamm sehen, gibt es für uns nur eine Wahl. Da noch andere Gäste erwartet werden, können wir nur die Hälfte des Bratens ordern. Auf großen silbernen Platten wird dann serviert. Das kleine Tier hat erstaunlich viele Knochen, aber schmeckt ganz vorzüglich. Dazu werden unglaubliche Mengen Retsina vertilgt. Die 2 Liter Flasche Ouzo kommt auf den Tisch und Monika versorgt uns gut. Costa, unser Fahrer von gestern, lässt es sich nicht nehmen mit jedem von uns zu trinken, in dem er jeden aus seiner Bierflasche trinken lässt. Eine Hochzeitsgesellschaft taucht auf und wir sitzen plötzlich im prallen griechischenLeben. Der Pope, der nicht fehlen darf, taucht auf und die Stimmung wird immer ausgelassener. Dann wird getanzt. Zunächst tanzen die Kinder, dann muss der Bräutigam zeigen, was er kann. Die Schwiegermutter kniet vor ihm und er muss einen Solo hinlegen. Er hat zwar keine Schneidezähne mehr, aber dafür tanzt er umso besser. Es dauert nicht lange und die Stimmung schwappt über. Die Gläser kreisen und dann werde ich von einem älteren Griechen auf die Tanzfläche, das heisst auf den Platz vor der Kneipe, gezerrt und tanze nach griechischen Weisen. Die Orgie endet weit nach Mitternacht und wir plumsen weinseelig ins Bett.

Montag 11. September 1995

Unsrer Frühstück war wieder ausgezeichnet! Wir können immer noch aus dem Vollen schöpfen und erstaunlicherweise gibt es manchmal sogar noch eine Überraschung. Jogurt, Margarine, Marmelade Honig usw. sind natürlich längst nachgekauft worden, aber unsere Vorräte an Dauerwurst, Dosenwurst und Schinken scheinen unerschöpflich zu sein.
Nach dem Abräumen und Spülen geht es erst mal baden. Wir gehen mal wieder nach Tripiti, weil es uns da so gut gefallen hat und es nicht so weit ist. Die 3 km zu Fuß sind wirklich nicht zu viel. Das Wasser ist trotz der ca. 1 Meter hohen Wellen glasklar. Das Baden in dem bewegten Wasser macht richtig Laune und wir haben alle unseren Spaß.
Das nächste Thema ist das Essen. Alle wollen was anderes. Ich entscheide mich für Eintopf und gehe einkaufen. Ein ganzer Weißkohl, eine Zwiebel sowie 1 kg. Weintrauben kosten gerade 390 Drs. das sind 2,47 DM. Heinz W. und Helmut S. essen "Big Fish" (ziemlich teuer ), die anderen wollen unbedingt Pizza essen.
Sollen sie haben!
Nachdem ich rundum satt bin, treffe ich mich im Ort mit Monika, die es auch vorgezogen hat Pizza zu essen, im Ort. Sie kauft einen kleinen Rucksack, ich eine Miniangel (für alle Fälle ).
Am Nachmittag haben wir eine Einladung bei Marika, der Frau unseres bewährten Taxifahrers Michael, die wir bereits vor 2 Jahren kennen gelernt haben. Wir, das sind Ülle, Heinrich, Monika und ich, bringen Marika Schnittblumen mit. Die Blumen sind nicht gebunden, so dass wir sie auf dem Arm wie ein Grabgesteck tragen. Es gibt griechischen Kaffee, Käsepitta, allerlei Gebäck und Trauben. Unser Gespräch dreht sich hauptsächlich um die Kinder und Enkelkinder. Es ist ganz so wie bei uns in Deutschland. Dann werden Alben mit Hochzeits und Taufbilder hervorgeholt und stolz herumgezeigt. Wenn sich die Männer rasieren, und die Frauen beim Friseur waren, sehen sie schon toll aus.
Dann geht es über den "Rummel" zurück auf unseren Balkon. Es gibt noch einen Metaxa, aber wir gehen früh ins Bett, da wir morgen unsere Inselrundfahrt machen wollen und der Wecker auf 6.30 Uhr steht.

Dienstag 12. September 1996

Um 6.55 Uhr sind die Brötchen noch nicht fertig. Also gehe ich um 7.10 Uhr noch mal zum Bäcker. Wir essen nur eine Kleinigkeit im stehen, weil es schließlich auf unserem Schiff Breakfast und Lunch geben soll. Um 8.05 Uhr werden wir von einem guten Reisebus abgeholt, der uns nach Limenas bringt. Dort erwartet uns unserer "Traumschiff" Wir gehen an Bord und machen es uns auf dem Oberdeck bequem. Das Schiff nimmt Fahrt auf und wendet sich ostwärts. Die Berge werden höher und steiler. Dann und wann kommen wir an versteckten, kleinen Badebuchten vorbei. Oben am Berg sehen wir Marmorbrüche, eine der Haupterwerbsquellen der Insel. Wir lassen die Ortschaften Panagia und Potamia mit ihren Stränden hinter uns und ankern vor einer winzigen Insel, auf der ein Eremit seine Behausung hatte. Heute am 12.September ist sein Gedenktag und es herrscht ein großer Andrang. Viele Leute lassen sich mit dem Boot übersetzen um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Die meisten Teilnehmer unserer Rundfahrt lassen sich ausbooten um hinüberzufahren. Das Wassertaxi geht heftig auf und nieder und so traut sich Monika nicht ins Boot. Ich bleibe bei ihr und werfe meine Angel aus. Monika genießt die Sonne, ich fange natürlich nichts, zumal kein geeigneter Köder zu finden ist.
Nach ca. einer Stunde geht es weiter um die Insel herum. Endlich gibt es was zu essen. Wir stürzen uns aufs Breakfast und erleben eine herbe Enttäuschung, als wir nur ein bis zum 15 November haltbares, in Folie eingeschweisstes Hörnchen und dazu Kaffee im Pappbecher bekommen. Das längste Gesicht macht Don Helmut, der heute überhaupt noch nichts gegessen hat.
Der Ausblick auf die wunderschöne Küste macht vieles wieder wett. Die Berge zeigen ein frisches Grün und in den Buchten, wo das Wasser etwas flacher wird, schimmert das sonst tiefblaue Wasser smaragdgrün. Dann biegen wir in die Bucht von Aliki ein und ankern dort für 2 Stunden um zu baden. Die ersten Badelustigen warten das Aussetzen des kleinen Beibootes, das sie an den Strand bringen soll, nicht ab und springen direkt vom Schiff in das Wasser. Die Wassertiefe beträgt etwa 810 Meter, doch man kann jedes Steinchen auf dem Grund sehen. Der Außenbordmotor des Beibootes will und will nicht anspringen und auch sonst haben die Bootsleute allerlei Schwierigkeiten mit dem Schiffchen. Monika, die beim Anblick des winzigen Beibootes Panik bekommt, bleibt nebst Marianne, die auch nicht baden will, an Bord und strickt. Ich werfe wieder erfolglos meine Angel aus und genieße bei einigen Gläsern Retsina den Anblick der Bucht von unserem Traumschiff aus, das sich langsam, von der Strömung getrieben, Hin und Her dreht. Beim Einholen der Badegäste sowie des Beibootes gib es ähnliche Schwierigkeiten wie beim Absetzen. Endlich geht es weiter. Viele Mitreisende verlassen in Limenaria, wo wir ja auch letztlich hinmüssen, das Schiff. Wir beenden unsere Rundreise in Limenas, der Inselhauptstadt, wo der Bus schon auf uns wartet. Nach dem grandiosen Mittagessen auf dem Schiff, (1 Brötchen ) gehen wir abends zum Jannis und essen mal wieder richtig lecker, trinken einige Ouzo, sieben Flaschen Retsina und bezahlen für 9 Personen 14800 Drs. das sind pro Nase gerade mal 10.52 DM.

Mittwoch 13. September 1995

Mitbringsel einkaufen und, weil es gestern so schön war, baden in Aliki steht heute auf dem Programm. Wir nehmen den Linienbus um 12.15 Uhr. Die Aussicht in die wunderschönen steil unter uns liegenden Buchten ist so einmalig, dass ich mit Monika den Platz tausche, da ich nicht so gut runtergucken kann. In Aliki angekommen, gehe ich erst mal wie immer ohne Erfolg angeln. Die Angelschnüre verheddern sich und ich gebe irgendwann auf. Bei meinem Rückzug von den Angelgründen finde ich schöne kleine Schneckenhäuser und hebe sie auf. Einige lasse ich gleich vor Schreck wieder fallen, weil sich in den kleinen Gehäusen noch kleinere Einsiedlerkrebse eine Heimstatt gesucht haben und neugierig auf meine Hand krabbeln.
Dann geht es ins Wasser. Es ist wieder super! Das warme, kristallklare Wasser trägt mich und auch Monika wird immer mutiger. Mit meiner Taucherbrille sehe ich dann auch die Fische, die sich so beharrlich meinen Angelkünsten widersetzen. Das Schwimmen macht hungrig, und so gehen wir irgendwann eine Kleinigkeit essen. Die gegrillten Paprika, die ich esse, und der ebenso gegrillte Feta, den Monika isst, schmeckt gut, was man von dem Retsina, der einen etwas bitteren Nachgeschmack hat, nicht sagen kann. Don Helmut hat Appetit und leistet sich einen "Big Fish". Der Fisch sieht sehr gut aus, und auch Helmut ist ganz zufrieden. Den Rest des Nachmittags verbringen wir wieder im Wasser.
Der letzte Bus, der uns um 17.30 Uhr nach Limenaria zurückbringen soll, macht noch einen Umweg über Theologos. Alle steigen aus und machen 20 Minuten Kaffeepause. Da wir ja Urlaub haben, macht es uns recht wenig aus und wir unterhalten uns angeregt mit dem Busfahrer, der ganz gut Deutsch spricht. Auf der Weiterfahrt wird erst noch in Potos der Bus aufgetankt und dann geht es endgültig nach Hause. Die beiden Helmuts, die mit dem Moped gefahren waren, warten schon auf uns. Wir essen in der Taverna "Limenarossa" recht ordentlich. Der Wein vom Fass ist wirklich ausgezeichnet. Es gibt keinen triftigen Grund, ihn nicht in reichem Maße zu genießen. Auf dem Balkon trinken wir noch einen Metaxa und dann geht es aber ab ins Bett, denn morgen wollen wir auf das Festland nach Kavalla und Philippi.

Donnerstag 14. September 1995

Der Linienbus fährt pünktlich um 8.30 Uhr ab. In Prinos müssen wir noch etwas auf die Fähre nach Kavalla warten, was uns aber wenig ausmacht, da es so viel zu sehen gibt. Wir wollen uns die Stadt am Nachmittag ansehen, deshalb gehen wir gleich zum Busbahnhof, der in der Nähe des Hafens ist. Um 11.00 Uhr bekommen wir einen Bus nach Philippi, dem antiken Ort, wo der Apostel Paulus eine Gemeinde gegründet hat. Philippi muss schon eine gewaltige und bedeutende Stadt gewesen sein, denn die Reste sind immer noch sehr beeindruc kend. Das Forum ist noch vollständig mit Marmorplatten ausgelegt, und ringsherum mit einem in Stein gehauenen Wasserablauf versehen. Vor dem Museum naschen wir leckere Trauben, die uns fast bis in den Mund wachsen.. Ein Archäologe fegt mit einem kleinen Pinsel ein Mosaik frei, und ein seit Jahrhunderten verborgenes Bild wird vor unseren Augen wieder sichtbar. Vieles ist hier zu sehen, aber viel mehr ist noch unsichtbar unter Schutt und Erde verborgen. In der alten Arena kann ich es nicht lassen, einen kleinen Stein aus dem Mauerwerk mit nach Hause zu nehmen (wenn das jeder machen wollte)! Bei der weiteren Besichtigung der antiken Stadt entdeckt Monika eine Schildkröte im Gebüsch und auf dem Rückweg im gleichen Gebüsch eine weitere, etwas kleinere griechische Landschildkröte. Alles in allem ein eindrucksvoller Ausflug. Um 13 Uhr fahren wir zurück nach Kavalla (Neapolis) und suchen zunächst eine Taverne, um eine Kleinigkeit zu essen, und Pause zu machen. In der Altstadt finden wir was passendes und auch Don Helmut, der mit dem Moped unterwegs ist, findet uns, und wir können gemeinsam essen. Nachdem ich mich mit einem Bier und einigen Lammkottelets gestärkt habe, mache ich mit Monika einen Bummel durch die Gassen der Altstadt. Der Rest will sich zuerst die Burganlage ansehen, von welcher man einen grandiosen Ausblick über die ganze Stadt hat.
Über die Straße des Mohammed (Memet) Ali gelangen wir zur Spitze der Halbinsel, wo wir unter einem über und über mit Zapfen behängten Pinienbaum auf unsere Freunde warten. Am Nachmittag machen wir noch einen Einkaufsbummel in der Neustadt von Kavalla, um für Alexander endlich einen Ledergürtel zu kaufen. Es will uns aber nicht so recht gelingen, weil die meisten Geschäfte erst um 18.00 Uhr wieder öffnen. Am Hafen warten wir dann unter Palmen auf unsere Fähre nach Prinos. Auf dem Schiff wird es langsam kühl, weil inzwischen die Sonne untergegangen ist. In Prinos bekommen wir den letzten Bus nach Limenaria. Doch es soll kein Tag vergehen ohne ein kleines Abenteuer! Kurz nach Tripiti, ca. 2 Km vor unserem Ort hat der Bus eine Reifenpanne. Wir müssen aussteigen , und den Rest des Weges zu Fuß laufen. Hunger habe ich dann keinen mehr, aber Durst. Ich trinke noch 2 Bier und 2 Metaxa und schlafe dann ganz vorzüglich.

Freitag 15. September 1995

Um 8.15 Uhr werde ich vom Klappern der Teller und Tassen geweckt, dabei ist heute Ruhetag! Wir frühstücken wie immer mit allem was Küche und Keller zu bieten haben. Dann haben wir Zeit für uns. Monika kommt endlich dazu, für Britta Socken zu stricken, und ich kann endlich in Ruhe mein Tagebuch schreiben. Ich gehe mit Monika in den Ort und tausche an der Post DM in Drachmen. Beim Bummeln finden wir auch endlich einen Gürtel für Alexander.
Auf dem Rückweg machen wir Station bei Don Helmut, der schon den ganzen Morgen im Strandkaffee sitzt, und Karten schreibt. Monika isst ein großes Eis, ich ziehe Tomatensalat vor, den ich mir selber mache. Dann wird Siesta gemacht. Diese Pause am Nachmittag, die ja auch alle Einheimischen einhalten, ist ein wichtiger Punkt im Tagesablauf. Alle Aktivitäten im Ort ruhen sowieso und es ist, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, eine unverzichtbare und schöne Einrichtung.
Um 17.00 Uhr wollen wir mit dem Bus über Potos nach Theologos, um uns den Ort anzusehen und dort abends zu essen. In Potos haben wir 20 Min. Aufenthalt den unsere Damen zum T Shird suchen nutzen. Dann, in Theologos, sehen wir im Schaufenster hübsche Ziegen (Schafs) Glocken, von denen ich eine mitbringen möchte. Zu unserem Erstaunen stellt die Verkäuferin die Glocke auf eine Waage und schaut dann in einer zerfledderten Kladde nach dem Kilopreis. Beim weiteren Gang durch den alten Ort suchen und finden wir unser Traumhaus b.z.w. Grundstück (wenn wir mal im Lotto gewinnen). Von überall nehme ich den trockenen Samen von Löwenmäulchen mit, die wie Unkraut herumstehen und teilweise noch in voller Blüte sind.
Gegen 19.00 Uhr gehen wir zum "Costa", wo wir vor 2 Jahren auch schon einmal gegessen haben, und genießen den Blick über das Tal und die Berge. Der gegenüberliegende Hang ist gesprenkelt mit hellen Tupfen, die sich erst bei näherem Hinsehen als eine riesige Schafherde zu erkennen geben. Die Glöckchen der Schafe tönen bis zu uns herüber. Zum Abendessen bekommen wir von dem geschäftstüchtigen Wirt natürlich wieder viel zu viel angepriesen. Wir essen als Vorspeisen Spinatfrikadellen, Florines (mit Schafskäse gefüllt), Käsesalat, Zaziki, irgendwelche säuerlichen Kräuter und einen griechischen Salat. Als Hauptspeise wird Gyros, das hier etwas grober als gewöhnlich ist, gegrillte Lammkeule und ein Schweinekotelett, welches ich mir bestellt habe, von 450 Gramm gereicht. Dazu gibt es natürlich die passenden Getränke. Alles ist natürlich viel zu viel. So viel kann wirklich keiner essen! Wir essen uns rund und knubbelig. Entsprechend ist die Rechnung von 6600 Drs. für uns. Das ist selbstverständlich immer noch sehr preiswert. Luis und Gudrun haben heute ihren letzten Abend. Auf dem Balkon trinken wir noch einen Metaxa und schauen noch lange in den klaren Sternenhimmel, der hier in Griechenland auf uns Stadtmenschen besonders eindrucksvoll ist..

Samstag 16. September 1995

Heute wird es wieder spannend! Nach dem Frühstück leihen wir uns Mopeds. Monika und ich wählen eine vollautomatische Maschine mit kleinen Ballonrädern. Dann folgen die ersten Fahrversuche. Es klappt ganz gut, so dass wir uns auf den Weg nach Kalivia machen. Die erfahreneren Mopedfahrer, allen voran Don Helmut, wollen sich einige Bergdörfer ansehen. Hinter Kalivia kommen wir auf ein sehr holperiges Wegstück, wo wir etwas abbremsen müssen. Monikas Moped geht aus und will nicht mehr anspringen. Wir tauschen die Mopeds und irgendwie gelingt es mir durch Anrollenlassen das Ding wieder in Gang zu setzen. Auf einer Erzhalde Richtung Skala Marion finde ich einige schöne, mit Quarz durchsetzte Stücke, die ich mir mitnehme. Dann fahren wir bergauf Richtung Maries, drehen dann aber bald wieder um, um Luis und Gudrun zu verabschieden, die heute abfahren müssen.
Nach einer kleinen Pause fahren wir nach Tripiti zu Baden. Mit den Mopeds ist es nur ein Katzensprung. Heute umspielen jede Menge Fische unsere Beine. Hier ist es einfach toll zum Baden und Schnorcheln. Direkt unterhalb der Bungalowanlage führt eine Treppe in ein kreisrundes Becken. Von dort kann man durch ein Loch im Felsen direkt ins Meer schwimmen. Anschließend ist erst mal der Nachmittagsschlaf dran auf den wir nicht verzichten wollen.
Heinz Wilkes, Helmut M. mit Ruth und Helmut S. mit Marianne kommen von ihrem Ausflug in die westlichen Berge zurück. Sie haben unterwegs schon gegessen Darum gehen wir mit Ülle und Heinrich M.alleine zum Essen. Monika ruft noch ihren Vati und dann Schwager Alfred an, anschließend geht es zum Jannis. Dort lassen wir uns mal wieder so richtig verwöhnen. Monika isst ein Kotelett, Ülle bestellt Lammkotelett, ich esse Souflaki und Heinrich gegrillte Leber. Als Vorspeise bekommen wir Käsesalat und Gigantes, das sind große, weiße Bohnen. Dazu gibt es erst mal Ouzo und drei Flaschen Retsina. Dann bringt Jannis noch sehr leckere riesige Pfirsiche und zum Abschluss eine Portion griechischen Kaffee im Kännchen zum Nachschütten. Für alles bezahlen wir einschließlich Trinkgeld pro Person ganze 7.92 DM ! Ich schreibe diese Preise nur auf, um um spätere Nachfragen zu ersparen, aber es war wirklich alles unglaublich preiswert, um nicht zu sagen billg.

Sonntag 17. September 1995

Himmel und Wasser sind wieder glasklar. Das Frühstück hat wieder allen etwas zu bieten. Es gibt drei Sorten Marmelade, Honig, Jogurt ( als Quarkersatz ) ,Butter, Margarine, Mettwurst, Knoblauchwurst, Mettwurst, und Käse (der noch geschnitten werden muss ). Der Kaffee ist wie immer lecker und alle hauen rein, obwohl es keine frischen Brötchen gibt, sondern Weißbrot von gestern.
Um 10.00 Uhr feiern wir die Heilige Messe in der Weinlaube an unserem Frühstücksplatz unter freiem Himmel. Anschließend machen wir Frühschoppen mit Retsina vom DreiliterFass. Dann wird es uns zu warm und wir gehen, um der Hitze zu entgehen, auf unseren Balkon. Monika strickt an Brittas Socken und ich schreibe an meinem Tagebuch. Dann mache ich eine Runde durch den Ort, um meine letzten SchwarzweißFotos zu machen und bekomme anschließend noch etwas vom Retsina mit.
Vor dem Mittagsschlaf lese ich noch in der WAZ, die Helmut M. mitgebracht hat und besorge mir noch ein Mittagessen. Ich mache mir einen leckeren Tomatensalat und mache mir dann mit Monika einen ruhigen Tag. Der Rest der Mannschaft ist in Richtung Tripiti zum Baden unterwegs. Es ist leicht bewölkt, doch wir haben. 27° C auf dem Thermometer. Wir machen uns dann auf, um am Hafen zu schauen, ob die Fischer etwas gefangen haben was uns interessieren könnte Es ist aber nichts Rechtes zu finden. Als wir gegen 19.00 Uhr nach Hause gehen, trudeln auch unsere Freunde wieder ein und wir machen uns fertig zum Abendessen. Heute gehen wir zu einem Cousin von Jannis, (Karlas Mann) der im Ort ein Fischrestaurant betreibt. Die meisten essen eine Art Hai, der ganz vorzüglich schmeckt. Helmut S. hält die Mittelgräte für einen Saugnapf und hat daher nicht so viel Appetit. Leider hat der Wirt nicht genügend Portionen Hai für alle vorrätig, so dass ich nur probieren kann.

Montag 18. September 1995

Heute machen wir eine Tagestour mit dem Linienbus bis zum Bergdorf Panagia. Die Straße geht mit starken Steigungen und Gefällen fast immer hart an der Küste entlang. Die Ausblicke sind manchmal wirklich atemberaubend, aber immer schön. Beim Rundgang durch das Bergdorf Panagia sehen wir viel Wasser, das in Bächen und kleinen geFassten Rinnen den Berg herunter kommt. Wir sehen viele schöne alte Häuser, uralte Platanen und jede Menge blühende Bäume und Blumen. Überall sind die Trauben reif und wir können naschen. Die Kirche, sie hat einen mehr westeuropäischen Stil ist ausnahmsweise offen und wir gehen hinein. Die Kirche ist mit vielen alten, aber auch neueren Ikonen geschmückt und hinter Glas wird die Leibstandarte von Richard Löwenherz gezeigt. Auf dem Friedhof sehen wir sorgfältig verschlossene Kästchen mit den Knochen der letzten Verstorbenen, die im Beinhaus noch keinen Platz gefunden haben. Alles ist genau beschriftet, damit nichts durcheinander kommt.
Nach den vielen Knochen bekommen wir Appetit und gehen essen. Auf dem Spieß, der mit Holzkohle beheizt wird, dreht sich ein halber Hammel (oder Schaf) und eine Reihe Hühner. Wir essen mal wieder ganz vorzüglich. Das Fleisch ist weich und würzig und die Portionen sind ungewöhnlich groß. Die 6 Km. bis Skala Potamia, wo wir baden wollen, fahren wir mit dem Bus. Das Wasser ist vom feinen Sand etwas trüb und man muss 20 m. reingehen bis man schwimmen kann, aber es gibt einen großen Sandstrand wo man gut liegen kann.
Mit dem letzten Bus geht es nach Limenaria zurück. In Potos macht der Bus wieder seinen Schlenker über Theologos zur Kaffeepause, die wir auch wieder genießen. In Limenaria angekommen, sehe ich am Hafen einen kleinen Menschenauflauf. Fischer sind angekommen und verkaufen ihren Fang. Zwei riesige Tunfische sind auch dabei. Sie passen kaum auf die Ladefläche eines kleinen Lastwagens. Abends in der Weinlaube trinken wir noch Bier und Retsina. Karla spielt Gitarre und so klingt wieder ein schöner Urlaubstag aus.

Dienstag 19. September 1995

Unser letzter Tag in Limenaria! Wir tauschen noch 20 DM bei Don Helmut und gehen dann Jogurt und Weintrauben kaufen. Dann machen wir eine Runde über die Hinterhöfe, wo wir überall von Hunden begrüßt werden. Einige der Gärten strotzen nur so vor Fruchtbarkeit. Die Bäume und Sträucher biegen sich unter der Last der Früchte dass sie gestützt werden müssen. Wir kommen beim Mandelbaum aus, den uns Jana letztens gezeigt hat, und sammeln die heruntergefallenen Früchte zum Mitnehmen auf. Dann ziehen wir uns auf unseren Balkon zurück. Ich schreibe am Tagebuch, Monika strickt und isst dann einen Jogurt mit Honig. Langsam wird es sehr warm. Es ist zwar etwas bedeckt, aber die Sonne kommt immer wieder durch. Siegmunds gehen noch mal schwimmen und Monika und ich setzen uns noch mal ans Wasser, nehmen die letzte Urlaubssonne mit und machen die letzten Fotos. Das Wasser ist etwas unruhig und nach einer Weile geht es zurück auf den Balkon zum Gammeln. Um 17.15 Uhr packt Monika die ersten Sachen zusammen. Heinrich, im nackten Oberkörper, schreibt wie ich im Tagebuch. Dann machen wir noch eine letzte Runde durch den Ort und gehen in das Fischlokal von Karlas Freundin, um dort zu essen. Da wirklich guter Fisch auch verhältnismäßig teuer ist und wir nicht noch mal Geld tauschen wollen, essen wir ein Schweinekotelett, was übrigens ganz prima ist. Am Rose´ vom Fass sparen wir allerdings nicht. Auf dem Rückweg werden die allerletzten entbehrlichen Drachmen verprasst und dann werden auf dem Balkon die Reste vom Metaxa niedergemacht, was uns auch problemlos gelingt.
Es ist bewölkt und wir sehen heute keine Sterne. Dann kommt ein frischer Wind auf und wir ziehen uns zurück. Das alles will uns wohl den Abschied von Thassos etwas leichter machen. Ein schöner Urlaub geht zu Ende, aber es hilft alles nichts. Wir müssen ins Bett, schließlich ist der Wecker auf 5.00 Uhr gestellt.

Mittwoch 20. September

Um Punkt 5.00 geht unser Wecker. Wir machen uns fertig. Hastig werden die letzten Dinge wie Zahnputzzeug, Rasierer und meine botanische Sammlung eingepackt Auf unserem Balkon essen wir ein Schnittchen und trinken eine Tasse Kaffee. Die Koffer scheinen so schwer, dass man sie kaum tragen kann. Auf der Hauptstraße vor Jannis Laden erwarten wir den Bus. Karla, die uns verabschiedet, erzählt uns dass Jannis bereits auf der Wachteljagt ist. Dann halten wir den Bus an, steigen ein, und hoffen dass der Bus keine Panne hat. In Prinos müssen wir umsteigen. In Limenas haben wir dann noch viel Zeit bis die Fähre kommt. In aller Ruhe schauen wir uns den Hafenbetrieb an. Nach und nach treffen die Touristen, die auch unser Flugzeug haben wollen, ein. Man kann immer wieder staunen, wieviel Busse, Lastkraftwagen, kleinere Fahrzeuge und Menschen auf so einer Fähre Platz haben. Die Überfahrt ist unruhig und der Schiffsführer sucht durch Kreuzen das ruhigste Fahrwasser. Der Taxifahrer verlangt für die Fahrt zum Flughafen 2000 Drachmen, obwohl das Taxameter viel weniger anzeigt. Dann, nach dem einchecken haben wir immer noch 2 Stunden Zeit. Wir gammeln rum, lesen und schauen uns die Mitreisenden an. Endlich geht es los und kaum sind wir oben, wird auch schon das Essen gereicht Es gibt übrigens das Gleiche wie beim Hinflug. Dann wird Zeitung gelesen und gedöst. Das Angebot an Musik ist auch beschränkt und auf dem Bildschirm gibt es hauptsächlich Eigenwerbung. Zu sehen gibt es auch nicht viel, da es bewölkt ist. Erst kurz vor dem Aufsetzen in Düsseldorf sehen wir den Rhein. Wir holen unser Gepäck und dann sehen wir auch schon den Abholdienst, den Ruth organisiert hat so dass wir gut nach Hause kommen. Unseren schönen Griechenlandurlaub schließen wir ab um 19.00 Uhr mit einem gemeinsamen Essen, natürlich bei uns im Stammhaus beim "Griechen"!